Vernehmlassung zur Lektionentafel Oberstufe 2012

Der Vorstand hat an seiner ersten Sitzung im Jahr 2010 das weitere Vorgehen im Zusammenhang mit den beiden Vernehmlassungen zur Oberstufe 2012 diskutiert. Im Folgenden werden die Gedanken und Überlegungen des VSLSG zur Lektionentafel geschildert, wie sie ebenfalls dem Amt für Volksschulen weitergeleitet wurden.


Sehr geehrte Damen und Herren des Erziehungsrates

Der Verband der Schulleitungspersonen des Kantons St.Gallen dankt für den Miteinbezug als Vernehmlassungspartner.


Wir möchten einige Bemerkungen zur Vernehmlassung unabhängig vom Fragebogen, den wir als keine gute Art der Vernehmlassung empfinden, festhalten.


Wir begrüssen es, dass eine Arbeitsgruppe sich mit flexibleren Lösungen zur Beschulung auf der Oberstufe befasst hat, um die kommenden Probleme in den Oberstufenzentren des Kantons bewältigen zu können. Mit Möglichkeiten der Integration können demographische und personelle Probleme der nächsten Jahre angegangen werden. Schulgemeinden müssen die Möglichkeit haben, die Schule vor Ort selber zu gestalten und den Bedürfnissen der Gemeinde anzupassen. Sie können sich dabei ein eigenes Profil entwickeln. Es müssen dabei jedoch klare Richtlinien und Rahmenbedingungen für die Oberstufe im Kanton St.Gallen auf kantonaler Ebene aufgestellt werden.


Bevor die Problematik der katholischen Sekundarschulen in den grossen Orten St.Gallen, Gossau und Wil nicht gelöst ist, verschärft hier die Einführung des integrativen oder des kooperativen Modells den Druck auf leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler und die Schulgemeinde enorm und dient der Integration nicht. Ebenfalls kommen grosse finanzielle und personelle Probleme auf die Schulgemeinden zu, welche noch keine Oberstufenzentren mit allen Klassentypen auf einem Areal führen oder auf kleinere Schulgemeinden, welche alle Niveaugruppen anbieten müssen.


Die Integration von Kleinklassenschülern und die Gleichschaltung der Stundentafel für Realschüler und Kleinklassenschüler mit der Sekundarschule, wie vorgeschlagen wird, sind auch in einem integrativen Modell nicht notwendig. Die Anforderungen der Ausbildung des Gewerbes decken sich nicht mehr mit den Lerninhalten für diese Schülerinnen und Schüler.  Schülerinnen und Schüler, welche dem Anforderungsprofil der Sekundarschule nicht entsprechen, müssen in diesem integrativen Modell freigestellt und separiert werden. Dies hat wenig mit dem Integrationsgedanken zu tun. Wir lehnen daher die vorgeschlagene Stundentafel kategorisch ab und fordern sie auf,  eine schülergerechte Lösung zum Wohle der Schülerinnen und Schüler auszuarbeiten.


Wir weisen die in der Vernehmlassung vorgeschlagene Stundentafel zurück. Wir erwarten eine Überarbeitung in den beschriebenen Bereichen.


Folgende zusätzliche Überlegungen haben uns dazu bewogen:

  • Die neue Stundentafel ist auf die jetzige Sekundarschule ausgerichtet. Die Bedürfnisse der Realstufe und der Kleinklassen werden nicht berücksichtigt. Der musische, gestalterische und handwerkliche Bereich kommt zu kurz, insbesondere auf den Stufen Real und Kleinklasse.  Ebenfalls ist der Abbau von IG-Lektionen auf der Real inakzeptabel (Aufwand Berufswahl, Case Management!). Die Reduktion der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer hindert die Anschlussmöglichkeiten in viele Berufe.
  • Die Zielsetzung für Schülerinnen und Schüler in den Kleinklassen ist unter anderem, dass die Jugendlichen nach der obligatorischen Schulzeit im Berufsleben gute, zuverlässige und selbständige Arbeitskräfte werden mit einer entsprechenden Selbst- und Sozialkompetenz. Nun sieht die Lektionentafel vor, dass genau diese Fächer drastisch gekürzt werden, welche die Jugendlichen für die Erreichung der Zielsetzung im Berufsalltag brauchen: Werken, Handarbeit, Gestaltung und Hauswirtschaft. Schülerinnen und Schüler der Kleinklassen sind mit der bisherigen Lektionenverteilung durchaus in der Lage, eine Attest- oder Anlehre zu bestehen. Neu müssten Schülerinnen und Schüler von den obligatorischen Fächern dispensiert und separiert unterrichtet werden, damit sie die besten Voraussetzungen haben. Dies ist ein nicht zu akzeptierendes Konzept.
  • Die Verteilung über die drei Jahre Oberstufe ist mangelhaft. In weiterführenden Schulen und in der Berufswelt ist die Belastung um einiges höher. Es darf kein Rückgang der Lektionen in der 3. Klasse erfolgen.
  • Wir stellen uns grundsätzlich positiv zur vorgeschlagenen Projektarbeit im 3. Oberstufenjahr, da in der Berufsausbildung oder in weiterführenden Schulen  ebenfalls eine Arbeit verlangt wird. Die Oberstufe soll die Schülerinnen und Schüler darauf vorbereiten. Wir finden jedoch, dass die Koordination der Arbeit für viele Oberstufenschulen  schwierig wird. Lehrmittel, Leitfäden und Fortbildung für Lehrkräfte müssen unbedingt angeboten werden. Ausserdem befürchten wir ein Infrastrukturproblem, da Informatik- und Werkräume begrenzt zur Verfügung stehen.
  • Das jetzige Wahl- und Wahlpflichtfachangebot deckt sich teilsweise mit den Vorschlägen der Projektkommission zum Inhalt der Vertiefungslektionen. Die Organisation, wie im Projekt vorgesehen nicht auf Beginn und Ende eines Schuljahres terminiert, ist organisatorisch fast unlösbar, da viele Angebote über die gesamte Schule koordiniert werden müssen. Der Planungsaufwand ist zu gross, und es fehlen die nötigen Ressourcen (Zeitfenster, Räumlichkeiten, Lehrkräfte, etc).Kompensationen sollen immer möglich sein. In der vorgeschlagenen Version  sind jedoch Kompensationen keine Ausnahmen, sondern zwingend erforderlich für schwächere Schülerinnen und Schüler. Es wird zu einer Unzahl an Gesuchen kommen und zu einem enormen Aufwand (rechtliches Gehör, Verfügungen, Zusatzlektionen, etc.) für Klassenlehrpersonen und Schulleitung. Wir empfinden es als absolut störend, dass ein System vorgeschlagen wird, welches die Integration fordert, aber ganze Schülergruppen separiert. Dies ist ein falscher Denkansatz.
  • Positiv empfinden wir, dass das schon lange gewünschte Fach Ethik in die Stundentafel aufgenommen wird.

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